Weihnachtstage mal anders: nicht zu Hause oder bei Verwandten oder Freunden, sondern an einem Ort, an dem wir noch nie waren. Inspiration für meine Neujahrswünsche 2026.
Berge wirken: Die Weihnachtstage mit meiner Frau und meinen Töchtern im Bergdorf Jaun in den Freiburger Voralpen haben den radikalen Realisten in mir geweckt.
Äusserlich ist Jaun ein idyllisches Bergdorf. Alte und neue Holzchalets schmiegen sich an die Hänge, der Blick vom Balkon führt das Auge über die verschneiten Gipfel der Umgebung. Selbst der Dorffriedhof ist besonders: Jedes Grab ist mit einem individuell gestalteten Holzkreuz versehen. Auf der linken Seite ist das Hobby, auf der rechten Seite der Beruf der Verstorbenen eingeschnitzt.
Ein Gespräch mit Dorfbewohnern bei einem Glühwein vor dem 24ten Adventsfenster öffnet mir die Augen. Jauns Zukunft sei voller Fragezeichen:
Ein radikaler Realist ist weder pessimistisch, noch optimistisch, weder resigniert, noch zynisch. Er schaut sich selbst und sein Leben ohne Selbsttäuschung an und akzeptiert die Wirklichkeit. Eigene Grenzen, Privilegien und Schattenseiten. Er anerkennt, was ist.
Diese Weihnachtstage haben die JAUN Neujahrswünsche inspiriert:
(1) J-a zum Loslassen
Loslassen ist ein befreiendes Gefühl. Festhalten verkrampft den Körper und irgendwann auch den Geist. Was früher dienlich war, ist es heute vielleicht nicht mehr. Neue Türen öffnen, alte Türen schliessen. Die Weite des Raumes zulassen. Loslassen ist kein Scheitern, sondern ein Platz machen.
(2) A-ufbruch mit Zuversicht
Zuversicht definiert Volker Busch als festes Vertrauen in eine positive Zukunft, zu der ich aktiv beitragen kann. Zuversichtliche Menschen konzentrieren sich auf das, was sie direkt beeinflussen können. Laut Busch ist Zuversicht nicht von einer bestimmten Einstellung oder komplexen Überlegungen abhängig, sondern vielmehr von aktivem Handeln. Schon kleine Schritte in die richtige Richtung können Zuversicht wecken: Ich gehe trotzdem los ohne vollständige Landkarte.
(3) U-nerschrocken handeln
Ich stärke Menschen, die aufbrechen. Angst und andere Gefühle bleiben. Ich akzeptiere, was da ist. Ich normalisiere mit Experimenten Mut als etwas Unperfektes und damit Nachahmbares. Denn auch Hannah Arendt war Teil der Weihnachtstage-Lektüre: „Es liegt in der Natur eines jeden Anfangs, dass er, von dem Gewesenen und Geschehenen her gesehen, schlechterdings unerwartet und unerrechenbar in die Welt bricht.“
Ein weiteres Zitat von Arendt führt zum vierten Wunsch: „Einsamkeit ist der gemeinsame Grund aller totalitären Herrschaftsformen“. Ein Weckruf für Beziehung, Gemeinschaft und Verbundenheit.
(4) N-ähe pflegen
Nähe sorgt für Wärme. Nähe drückt sich unterschiedlich aus: in Gedanken nah sein, sich mit sich selbst verbunden fühlen, präsent sein, physisch nah sein, Resonanz spüren. Nähe ist die Stimme des Herzens. Die Energie, die Beziehungen nährt und Menschen wirken lässt.
JA UNd natürlich auch wissen, wann es Zeit ist, wieder loszulassen. Siehe Wunsch eins. Soweit meine Neujahrswünsche-Spirale für 2026.
Veränderung beginnt dort, wo wir mit offenen Augen und offenen Herzen hinschauen, wie in Jaun. Auf dass ich in 2026 beitragen kann, das Myzel an Menschen und Organisationen um mich herum zu stärken und zu nähren.
Ach ja, und meine Posts werden ab diesem Jahr Fediverse-First publiziert, d.h. hier auf meinem selbst gehosteten Blog mit um fünf Minuten verzögerten Push auf Mastodon colearn.social/@felixharling mit Hilfe des Share on Mastodon Plugins.
Alle Bilder von Felix Harling aufgenommen und mit Lightroom & Canva bearbeitet.
